Der Aufreger des Tages

18. August 2010

Mehr Licht

Geschrieben von admin in Allgemein

Bei den unsäglichen neuen Leuchtmitteln, die nunmehr EU-weit wider Sinn, Verstand, Umweltgedanken, Gesundheitsbewusstsein und Wirtschaftlichkeit zum konzertierten Wohle der Konzernnetzwerke, der Pharmaindustrie und der Augenärzteverbände vorgeschrieben sind, solle man, heißt es, um von Leistung und Lichtausbeute nicht enttäuscht zu sein, darauf achten, dass nicht nur die Wattzahl stimme, sondern auch die Lumenzahl derjenigen der bisherigen Glühbirnen entspreche. Wenn diese Angabe überall stünde, wäre einem sicher geholfen. Schade, dass es nicht der Fall ist. Bei den Produkten, die in der Tat vollständige Angaben aufweisen, kann man nur staunen: Keine der Leuchtmittel, die wir uns angesehen haben, hatte in Wirklichkeit die Lumenzahl, die wir brauchen. Muss man jetzt auch noch als nicht motorisierter Verbraucher sich mit dem Taxi zu allen Baumärkten der Region kutschieren lassen, um weiterhin akzeptables Licht zu bekommen? Nun, drei Stunden Fahrt für eine Birne, Verzeihung, für ein “Leuchtmittel” … Das ist auch mal ‘was anderes.

18. August 2010

Was ist orange?

Geschrieben von admin in Allgemein

Unser Beet soll in den Farben creme, blau und orange erstrahlen. Also habe ich orangefarbenes Fleißiges Lieschen, orangefarbene Dahlien, eine orangefarbene Geranie, einen orangefarbenen Phlox und eine orangefarbene Rose gekauft. Zumindest wurden sie von den Züchtern so beschrieben. Das Fleißige Lieschen ist bestenfalls rosa, die Dahlie ist gelb, die Geranie rot, der Phlox ist pink, die Rose rosé. Weiß denn heute keiner mehr, was orange ist?

11. Juli 2010

Gewitternacht

Geschrieben von admin in Allgemein

2 Uhr 30: Licht aus, es ist Zeit, zu schlafen. Während die Beine vergebens nach einem kühlen Plätzchen auf den Bettlaken suchen, kommt Wind auf. Ein beeindruckendes Sausen zieht über das Haus. Es ist, als würde ein Düsenjet gleich abstürzen.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

3 Uhr: Mein Mann steht auf. Nicht dass er den Sturm gehört hätte, er muss nur auf die Toilette. In der Ferne ist ein leichtes Grollen zu hören. Die Gartenmöbel, die wir mangels Zeit und Muße immer noch nicht regenfest angestrichen haben, werden eiligst vom Balkon hereingebracht. Es ist die Gelegenheit, wieder den Kühlschrank aufzusuchen und ein Schlückchen aus der Flasche zu trinken.

3 Uhr 10: Zurück ins Bett. Mein Mann schläft wieder wie ein Baby.

3 Uhr 30: Aus dem Grollen ist ein ausgewachsenes Gewitter geworden. Blaue und orangene Blitze durchziehen das Zimmer, es ist so hell, dass man lesen könnte.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

3 Uhr 45: Der Donner schüttelt alles zusammen. Es sind wunderschöne, klare, metallene und steinerne Geräusche, die das Haus zu erschüttern scheinen.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

4 Uhr: Starkregen setzt ein und prasselt gerade wie ein Wand auf Pflanzen und Bäume herunter.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

4 Uhr 45: Der Regen lässt langsam nach. Er wird der Natur gut getan haben. Ich schalte das Licht ein, stehe auf und genieße am offenen Fenster die herrlich kühle und duftende Luft.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

5 Uhr: Die Vögel beginnen, zu singen. Ich kann noch immer nicht schlafen, suche nacheinander Bad und Kühlschrank auf, stolpere dabei über ein unachtsam verlegtes Kabel und auch ein wenig über die eigenen, müden und wärmeschweren Füße.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

5 Uhr 15: Zurück ins Bett. Es ist kein Zug im Schlafzimmer, es ist nur mein Mann, der herzerweichend schnarcht.
Und er schläft wie ein Baby.

5 Uhr 45: Ich gehe wieder ins Bad. Vielleicht wird er dadurch im Schlaf gestört, dreht sich um, und hört endlich zu schnarchen auf. Der Rückweg geht über den Kühlschrank, am offenen Fenster und an der kühlen Luft vorbei.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

6 Uhr: Es hilft nur schütteln und wecken. Auf die Bemerkung, er schnarche und ich könne nicht schlafen, meint er gelassen: “Aha.” Dreht sich um.
Und schläft keine zwei Sekunden später wieder wie ein Baby.

7 Uhr: Ich versuche noch immer verzweifelt, einzuschlafen. Ich hatte schon bessere Laune.
Mein Mann schläft wie ein Baby.

Wie kann dieser Mann nur so schlafen??

16. Mai 2010

Lieferwagen sind zum Schonen da

Geschrieben von TextLoft in Allgemein

Einige Unternehmen bieten einen Lieferservice an. Für ältere Menschen oder schlichtweg Menschen ohne fahrbaren Untersatz, für die Baummarkt und Gärtnerei mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer bis nicht erreichbar sind und deren Rücken und Arme naturgemäß nur eine begrenzte Tragkraft mit sich bringen, ist es eine wirklich schöne Sache: Es müssen nicht mehr schwere Wasserkästen und Tonnen von Blumenerde mühsam geschleppt werden, man kann sie einfach bestellen. Und doch ist das kleine Wort “einfach” hier reichlich irreführend.
Der Plan geht so: Man ruft jedes Jahr aufs Neue dieselbe Gärtnerei an und fragt höflich, wann denn bitte man 400 Liter Blumenerde geliefert bekommen könnte. Hier geht das große Zaudern los.
“Hmmmmm, jaaaaaa, alsoooooo, äääääh, ich weiß jetzt auch nicht, wann der Fahrer kommen kann, denn heute ist ja schon Mittwoch …. Hmmmm … Aber ich schreibe es mir auf, und wir werden versuchen, trotzdem am Samstag vorbeizukommen”.
Das Problem mit der besagten Höflichkeit ist, dass man sich nicht traut, die selbstverständlichsten Dinge zu fragen – etwa, warum der sogenannte Fahrer nicht am nächsten oder übernächsten Tag seinen Kofferraum belädt, sich ins Auto schwingt und die 15 Minuten (rote Ampeln und Staus inklusive) zurücklegt, die ihn vom Lieferort trennen. Aus irgendeinem Grund scheint es nicht möglich zu sein. Warum, wird einem aber nicht erklärt. Am Montag kommt er auch nicht. Am Dienstag genauso wenig. Am Mittwoch ist ein kleiner Anruf fällig, denn schließlich ist eine ganze Woche vergangen. Wo die bestellte Erde wohl bliebe, schließlich verdörrten die bereits gelieferten Pflänzchen mittlerweile in ihren zu engen Saattöpfen. Und jedes Mal ist es das gleiche Spiel:
“Ich habe Sie nicht vergessen, aber am Samstag konnte der Fahrer nicht. Er kommt aber in den nächsten Tagen. Ich rufe Sie aber vorher an, um zu sagen, wann.”
Er kommt nicht, und niemand ruft an. Stattdessen taucht er am folgenden Samstag auf.
Wäre es denn so schwer, dem Kunden zu sagen: “Wir liefern nur samstags aus und da müssen Sie auch vor Mittwoch bestellt haben”? Offenbar ist dies aber nicht der Grund, denn auf meine ausdrückliche Frage hin, ob es denn sein könnte, dass nur samstags ausgeliefert werden könne, wurde mir versichert, man würde durchaus auch in der Woche liefern. Wie soll ich das verstehen? Es wird in der Woche ausgeliefert … nur nicht bei mir?
Was hindert ein Unternehmen überhaupt daran, auf Anfrage zu liefern? Die Fahrtkosten? Es wäre ein Leichtes, einen kräftigen Aufschlag für Lieferungen außerhalb der aller Behauptungen zum Trotz eben offenbar doch festen Zeiten und Routen mindestens anzubieten. Wenn die Ware dringend gebraucht wird. wird der Kunde schon selbst einschätzen, ob ihm die Sache es wert ist, viel mehr zu bezahlen oder nicht. Ich hätte nichts dagegen, meine Blumenerde zum doppelten Preis zu bekommen, wenn die Lieferung innerhalb von 2 Tagen garantiert würde. Aber nein, es wird einfach nicht gemacht.
Vermutlich müssen Lieferwagen geschont werden. Wenn man sie jeden Tag auf die Straße schicken würde, würden wahrscheinlich ihre Gefühle verletzt.

13. Mai 2010

Offener Brief an Herrn O. am 13. Mai

Geschrieben von TextLoft in Allgemein

Sehr geehrter Herr O.,

ganz herzlichen Dank für Ihren am Abend vor dem Feiertag gegen 23 Uhr eingetroffenen und bis zum Morgen nach dem Feiertag abzugebenden Auftrag, den Sie nicht angemeldet hatten und den ich rein zufällig heute entdeckt habe, da ich an Feiertagen für gewöhnlich den Computer nicht einschalte und keine eMails lese. Bedanken möchten sich insbesondere die Freunde, mit denen ich den Nachmittag teilen wollte und die ich wieder ausladen musste. Das sind alles sehr nette Leute und sie haben völliges Verständnis dafür, dass Sie in erster Linie Millionen scheffeln müssen und Ihnen daher nicht zugemutet werden kann, Ihre Betriebsabläufe so einzurichten, dass die gesetzlichen Feiertage mit eingeplant werden. Mit dem Feiertagszuschlag werden sie sich selbst einen Kuchen und ein paar neue Freunde kaufen.
Auch meinem Mann ist es natürlich klar, dass Korrekturlesen vor Zweisamkeit geht. Er dankt Ihnen ebenfalls sehr für den Feiertagszuschlag, der ihn ganz sicher entschädigen wird.
Sie sehen ja: Ich habe gern geholfen. Der Kunde ist König.
Im Gegenzug wäre es nett, wenn Sie sich am 23. und 24. Mai bei mir einfinden würden: Fensterputzen, Möbelwachsen und Gartenarbeit stehen auf dem Programm. Es wird Ihnen sicherlich nichts ausmachen, sich zu beteiligen, gesetzliche Feiertage bedeuten Ihnen ja nichts.

Mit ergebenen Grüßen
Ihr Haussklave

9. Mai 2010

Und noch ein Gärtner

Geschrieben von TextLoft in Allgemein

In einem anderen Artikel habe ich schon beschrieben, welche Schwierigkeiten ein so einfacher Vorgang wie die Suche nach einem Gärtner bergen kann.
Vor einigen Wochen wurden wir endlich belohnt. Gefunden ward er: ein freundlicher und hilfsbereiter Gärtner, der sich bereit erklärte, gleich am nächsten Tag vorbeizukommen. Wir verabredeten uns für den 17. April zwischen 16Uhr30 und 17Uhr30. Ein echter Gärtner, der auch wirklich kommt und einen konkreten Termin nennt – wir waren überglücklich!
Nun ja, er kam nicht. Meldete sich auch nicht, um sich zu entschuldigen oder einen neuen Termin zu machen. Nein, wir haben seitdem nichts mehr von ihm gehört.
Was ist nur mit Gärtnern los? Sind sie alle so reich, dass sie auch in Zeiten wirtschaftlicher Krise kein Geld mehr brauchen? Haben Gärtner per se eine Terminkalenderphobie? Was ist denn so schwer daran, einen Termin einzuhalten oder erst gar keinen zu machen? Muss man zu dumm sein, um sich Tag und Uhrzeit zu merken, wenn man Gärtner werden will?
Wir suchen nicht mehr. Mit dieser Zunft sind wir fertig.

27. April 2010

Habe ich die kleinste Wohnung Deutschlands?

Geschrieben von TextLoft in Allgemein

Ich will eine Kommode. Für meinen Flur. Und ich habe eine gefunden, die mir wirklich gefällt. Sie trägt zufällig einen schwedischen Namen, ist hübsch schwarz, absolut erschwinglich und soll Telefonbücher, Versandkataloge, Briefumschläge, Klebeband, Scheren, Batterien, Toner- und Druckerpatronen und dergleichen beherbergen. Sie würde perfekt zu dem Stil passen, den ich dort anstrebe.
Wäre da nicht eine Kleinigkeit: die Abmessungen. Wenn ich sie dort hinstellen würde, käme niemand mehr mit einer einfachen Einkaufstasche durch den Flur. Dass zwei Menschen sich, ohne sich gegenseitig zu behindern und ein echtes Vorfahrtproblem zu schaffen, dort begegnen könnten, wäre genau so ausgeschlossen. Wer des Nachts aufstehen würde, müsste schon wach genug sein, um das Hindernis bewusst unfall- und verletzungsfrei zu ungehen – im Halbschlaf wäre da nichts zu machen.
Dabei handelt es sich vermeintlich um ein kleineres Modell, alle vergleichbaren Kommoden sind wesentlich sperriger.
Also suchte ich bei demselben schwedischen Hersteller nach einem anderen Stück, das sich besser mit den örtlichen Gegebenheiten vereinbaren ließe. Es muss auch nicht eine Kommode sein, ein Schränkchen ginge auch, wenn es geräumig genug wäre.
Es gibt in dieser Größenordnung keins. Und auch bei anderen Marken nicht.

Es stimmt mich nachdenklich. Der berühmte schwedische Hersteller ist eigentlich dafür bekannt, dass er für allen und jeden produziert, und nicht nur für Schlossbesitzer. Wenn alle dort kaufen können und für die erstandenen Möbel auch ausreichend Platz finden, ohne bei jeder Bewegung blaue Flecken zu riskieren, wohnen wir denn so erbärmlich klein?
Die Frage kam mir schon einmal, als ich versuchte, einen Fernseher zu finden, nachdem unserer mittlerweile über 17 Lenze vorzuweisen hat und es daher vernünftig wäre, sich geistig, emotional und praktisch mit der Eventualität seines Ablebens rechtzeitig auseinanderzusetzen. Damit das neue Gerät an dem angestammten Platz stehen kann, dürfte seine Diagonale wie die seines Gott sei Dank noch aktiven Vorgängers bis zu 33 cm aufweisen. Aber so etwas gibt es nicht mehr. So etwas sei nur in der Kategorie “Campingausrüstung” zum Anschluss an den Zigarettenanzünder zu finden, hörte ich. 55, 60, 99 cm scheinen die üblichen Maße zu sein. Was mache ich denn, wenn sich das alte Gerät eines unvermeidlichen Tages zu seinen Ahnen begibt? Ich will keinen Campingfernseher.

Sind 74,5 m² heutzutage denn so ungewöhnlich winzig? Haben heute etwa alle 200 m² zur Verfügung? Wenn alle Produzenten von Einrichtungsgegenständen in so für mich unglaublichen Dimensionen planen und herstellen, dann sind wohl alle Wohnungen riesig. Außer meiner.

27. April 2010

eMail-Programme – aber bitte nur für Schafe

Geschrieben von TextLoft in Allgemein

Weil Thunderbird sich mit der Begründung, es sei das sicherste eMail-Programm auf dem Markt, von seinem hohen Ross aus standhaft weigert, mit den üblichen Virenschutzsoftware zusammenzuarbeiten, bin ich auf Outlook umgestiegen. Genauer gesagt bin ich dabei, dies zu tun. Denn es kann Monate dauern, bis ich alle meine Konten so eingerichtet habe, wie ich es will.
Dabei wechselt meine Stimmung von Minute zu Minute: Staunen, Erschrecken, Ärger, Verzweiflung, Wut tanzen einen fröhlichen Reigen.
Heutzutage ist doch alles gnadenlos “benutzerdefiniert”. Es ist möglich, sich die kitschigsten Handyhüllen zu besorgen, seinen Startbildschirm mit den überflüssigsten Bildchen zu verzieren, und für den Preis eines Mittelklassewagens sind sogar die aberwitzigsten Klingeltöne zu abonnieren. Die Vermutung liegt nahe, dass sich alles so einstellen lasse, wie man es gern möchte.
Aber doch nicht Outlook. Nachdem ich eine realitätsfern lange Zeit damit verbracht hatte, meine Konten einzurichten – wieso lassen sich einige der Einstellungen nicht einfach durch einfaches Anklicken eines Kästchens für alle Konten übernehmen, sondern müssen einzeln eingegeben werden? Und warum können Einstellungen aus einem anderen Programm nicht automatisch importiert werden? –, stellte ich entrüstet fest, dass es nicht möglich ist, die Reihenfolge der Konten in der Anzeige der Ordnerliste zu bestimmen. Die Unterordner zu jeder Adresse und die eMails lassen sich ordnen, die Konten nicht. Sie erscheinen alphabetisch. Daran ist nichts zu ändern. Wer also seine eMail-Adressen nach Wichtigkeit anordnen will … kann das einfach nicht.
Da es Outlook schon einige Jährchen gibt, ist anzunehmen, dass auch künftige Versionen nicht anders sein werden. Offenbar hat sich also bisher noch niemand darüber beschwert. Wieder einmal ein Programm für Schafe, die alles an- und hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird, und nicht hinterfragen, warum etwas nicht anders geht.

15. April 2010

Ich bin hier, aber nicht da?

Geschrieben von TextLoft in Allgemein

Die Bestellung liegt Wochen zurück. Endlich hat sich die Firma gemeldet und die Lieferung angekündigt. Zwischen 8 Uhr und 18 Uhr soll das Paket kommen. Es ist ein großes Paket. Nicht die Art von Päckchen, die man zu Fuß vom Postamt abholen kann. Und es ist eine wichtige Lieferung. Also steht man früh auf, bleibt zu Hause, geht nicht einmal auf die Toilette und wartet aufgeregt auf das Klingeln.
Es klingelt aber niemand.
Ein paar Male geht man raus und prüft die Klingel.
Bis 20 Uhr wartet man noch. Es kann sich jeder mal verspäten, es ist nichts dabei. Da die Zeit etwas lang wird, bringt man den Müll raus – die Tonnen stehen ja direkt neben der Tür. Es ist eine gute Gelegenheit, drei Schritte bis zum Rand des Bürgersteigs zu gehen, einmal nach rechts und einmal nach links zu schauen, um vielleicht den großen Wagen zu erspähen, der die Macht hat, einen binnen Sekunden glücklich zu machen.
Der Weg dorthin führt an den Briefkästen vorbei.
Was leuchtet da in unserem? Ein Kärtchen?
“11 Uhr. Wir bedauern, Sie nicht angetroffen zu haben. Bitte setzen Sie sich mit unserem Kundentelefon in Verbindung.”
Ich war hier, aber nicht da? Wie geht das?

15. April 2010

Neue Erkenntnisse aus der Galaxis: Schwarzes Loch für Handwerker

Geschrieben von TextLoft in Allgemein

Die Reparatur und das Streichen unseres Balkongeländers hat uns vor Kurzem und nicht zum ersten Mal eine Tatsache vor Augen geführt, die wir seit den letzten Arbeiten im Haus zwar vergessen, oder besser verdrängt hatten, und sich doch immer wieder aufs Neue bewahrheitet: Mitten in unserem Sonnensystem gibt es eine Anomalie, die als bislang unerforscht gelten darf. Es ist ein Schwarzes Loch, dessen Aufgabe es ist, nicht etwa Planeten oder Materie zu verschlingen, sondern Handwerker.

Der Handwerker an sich – und es spielt dabei keine Rolle, ob er angemeldet ist oder überraschend kommt – taucht immer und überall ab etwa 7:00 Uhr morgens auf. Dass andere möglicherweise berufsbedingt spät ins Bett gehen, um diese Zeit noch etwas Schlaf brauchen und so früh am Tag noch gar nicht in der Lage sind, Fragen zu beantworten, technische Entscheidungen zu treffen oder den unvermeidlichen Lärm zu ertragen, der mit seiner Tätigkeit einhergeht, kommt ihm nicht in den Sinn. Er ist bereits froh gelaunt, und sein Tatendrang überrollt wie die sprichwörtliche Dampfwalze geübt und erbarmungslos alles, was sich ihm und seinem Werkzeug in den Weg stellt.
Der Handwerker lärmt dann etwa 3 Stunden. Wenn sein Deo gerade zu versagen beginnt, geht er zu seinem Auto, dreht das Radio auf und gönnt sich ein Butterbrot, das in den Dimensionen dem Krach, den er veranstaltet hat, kaum nachsteht.
Dann begibt er sich wieder an die Arbeit und lärmt wieder ein Stündchen.

Und dann hört er auf, zu lärmen.
Es ist nicht etwa so, dass er mit seiner Arbeit fertig wäre. Es ist auch nicht so, dass er sich verabschieden würde.
Es ist auch nicht so, dass er dem gequälten Mieter über den Stand der Dinge informieren würde.
Dass er sich unterbricht, um neues Material zu holen, ist genau so wenig der Fall.
Nein, er ist einfach nicht mehr da.
Er ist verschwunden.
Da geht man raus, weil nichts mehr zu hören ist, das Werkzeug liegt aufgeräumt in der Ecke und bleibt dort bis zum nächsten Sonnenaufgang. Der Mann ist weg. Wie vom Erdboden verschluckt.
Ist er vielleicht zu einem anderen Kunden gefahren? Es ist unwahrscheinlich, denn es würde bedeuten, dass es Nachmittagsbaustellen gibt, und der Handwerker würde nicht immer in aller Frühe kommen und einen aus dem Bett werfen, wenn man am schönsten träumt. Es würde bedeuten, dass man sich aussuchen kann, ob er vormittags oder nachmittags kommen soll. Und das kann man nicht, das steht fest, ich habe es oft genug versucht.

Wo ist also der Handwerker ab 11 Uhr?
Es muss so sein, dass es ein Schwarzes Loch gibt, das pünktlich um diese Zeit alle Handwerker einsammelt, verschlingt, und erst am nächsten Tag zu Arbeitsbeginn wieder herausspuckt. Eine andere Erklärung fällt mir nicht ein.

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